.

Im Interview mit Claudia Assmann, Pressesprecherin und Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing

1. Was bedeutet Bildung für Sie?
Zuerst einmal bedeutet Bildung für mich, die Fähigkeit zu erlangen und zu erhalten, die richtigen Fragen zu stellen. Bildung ausschließlich als Wissensanhäufung zu definieren, ist zu kurz gedacht. Es muss vielmehr darum gehen, ein Bewusstsein über die eigenen Kenntnisse und Erfahrungen zu erlangen und eine Neugier und Offenheit zu erhalten, diese Grenzen zu erweitern.

2. Was zeichnet einen gebildeten Menschen (heute und in Zukunft) aus? Was eine gebildete Gesellschaft?
In erster Linie Offenheit für das Andere. Eine gebildete Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie das Fremde nicht als Bedrohung sondern vielmehr als Bereicherung wahrnimmt. Bildung bedeutet, sich  mit gesellschaftlichen Fragen und Zusammenhängen kritisch auseinander zu setzen. Sie zu reflektieren, zu hinterfragen –gegen den Strom zu schwimmen. Dies setzt ein hohes Maß an kritischem Geist und Wachheit voraus. Die Künste sind in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung.

3. Was wird die Zukunft der Bildung bestimmen? (Inhalte?, Medien?, Marketing?, Kapital?, Politik?, Gesellschaft? Jeder Einzelne selbst? …)
Die Zukunft der Bildung hängt m. E. maßgeblich davon ab, wie es die Menschen es schaffen, in einer Zeit des Informationsüberangebotes, der schnellen Meinungsbildung, des schnellen Erregens und Vergessens, bei sich zu bleiben. Von zentraler Bedeutung ist aus meiner Sicht der „Mut zur Ruhe, zur Reflektion. Bildung setzt voraus, sich die Zeit zu nehmen, Themen und XXX zu erfassen, zu durchdringen und sich kritisch mit ihnen auseinander zu setzen, um zur eigenen Position zu finden.

4. Was müssen wir Menschen in einer überinformierten Welt wirklich wissen?
Es geht hier vielmehr um die Frage, wozu sie befähigt sein müssen. Sie sollten im Stande sein, sich dem gesellschaftlichen Druck der schnellen und damit zumeist oberflächlichen Meinungsbildung entgegen zu stellen.

5. Was wäre eine ideale Bildung?
Eine ideale Bildung zu definieren, fällt mir schwer, denn Bildung ist nichts Statisches sondern unterliegt permanentem Wandel. Ich würde hier mit den Begriffen Offenheit, Toleranz, Kritikfähigkeit hantieren wollen und die Aufgabe nennen, sich der Grenzen des eigenen Horizontes bewusst zu sein, diese durch Neugier und Wachheit zu öffnen und dadurch die eigenen Beschränkungen permanent zu erweitern. Ich persönlich habe eine 9-jährige Tochter. Wir ermuntern sie täglich, Nein zu sagen, kritisch zu hinterfragen und immer das „Warum“ mitzudenken.

6. Was tun Sie für die Zukunft der Bildung?
Die Universität der Künste Berlin ist ein Ort, an dem die Künste und die auf sie bezogenen Wissenschaften gelehrt und vor allem  weiter entwickelt werden. Wir sind die einzige Hochschule in Berlin und Brandenburg, die Kunst- und Musiklehrerinnen und –Lehrer ausbildet. Den künstlerischen Fächern kommt aus unserer Perspektive eine zentrale Bedeutung für die Bildung junger Menschen zu. Wir kämpfen täglich dafür, deren Stellenwert sichtbar zu machen und zu stärken. Da ist viel zu tun.

Claudia Assmann0032

Claudia Assmann,
Pressesprecherin und Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing

Seit November 2006 ist Claudia Assmann Pressesprecherin und Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing der Universität der Künste Berlin. Sie studierte Theaterwissenschaft und Publizistik an der FU Berlin und war am Theater am Goetheplatz (Bremen), am Anhaltischen Theater Dessau und beim Kunstfest Weimar tätig. Sie ist Gründungsmitglied der Zeitschrift ballett international/ tanz aktuell (heute „tanz“) und arbeitete parallel dazu als  freie Mitarbeiterin für diverse internationale Tanzzeitschriften, Kulturmanagement-Publikationen, für Radio und Fernsehen. 1998 war sie im Pressebüro des Edinburgh International Festivals beschäftigt. Im Jahr 2000 wechselte Claudia Assmann an das Jüdische Museum Berlin, wo sie als Senior Writer die Texte der Dauerausstellung „2000 Jahre deutsch-jüdische Gesichte“ verfasste.
Von 2001 bis 2003 war sie Pressereferentin der Schaubühne am Lehniner Platz unter der Leitung von Ostermeier/Hilje/Waltz/ Sandig. Im Anschluss begleitete sie als Mitglied des Leitungsteams und Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Theater Heilbronn  den Neustart unter der Intendanz von Dr. Martin Roeder-Zerndt. Zurück in Berlin arbeitete sie ab 2005 für das Kunst- und Kulturprogramm der Bundesregierung zur Fußballweltmeisterschaft 2006 und beriet im Rahmen dessen den künstlerischen Leiter André Heller für die Sparten Tanz, Theater, Performance. Von 2008 bis 2012 war Claudia Assmann Vorstandsmitglied im Bundesverband Hochschulkommunikation und als solche Sprecherin der Kunst- und Musikhochschulen im Rahmen der Verbandsarbeit. In der Spielzeit-AG, dem Zusammenschluss der Pressesprecherinnen und –Sprecher der Berliner Bühnen, vertritt sie das UNI.T – Theater der UdK Berlin.