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Im Interview mit Prof. Dr. Stefan Baldi, Dekan der Munich Business School

1. Was bedeutet Bildung für Sie?
Bildung bedeutet, die Persönlichkeit eines jeden Einzelnen individuell zu entwickeln und so die Möglichkeit auf ein reflektiertes, selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu eröffnen. Bildung ermöglicht es, die eigene Zukunft sowie die Zukunft unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

2. Was zeichnet einen gebildeten Menschen (heute und in Zukunft) aus? Was eine gebildete Gesellschaft?
Der gebildete Mensch von heute ist nicht mehr der Universalgelehrte der Vergangenheit. Das Wissen unserer Welt hat sich in so hohem Maße und mit so großer Geschwindigkeit vermehrt, dass ein Einzelner schon lange nicht mehr alles wissen kann. Zunehmend wichtig werden: der Umgang mit Komplexität, der Umgang mit Unsicherheit sowie die Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen und zu verstehen. Der gebildete Mensch vereint Kompetenz, Charakter und Handlungsfähigkeit. Er ist reflektiert, aber nicht vergeistigt, rücksichtsvoll, aber nicht verzagt. Eine gebildete Gesellschaft – und auch ein gebildetes Unternehmen – ist mehr als die Ansammlung von gebildeten Menschen. Sie schafft die Strukturen, in denen die Bildung ihrer Mitglieder systematisch gefördert wird. Dabei herrscht Bildungspluralität und kein Absolutheitsanspruch. Die gebildete Gesellschaft schafft mit den Mitteln von heute Strukturen, in der die Bildung und das Wissen ihrer Mitglieder optimal zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden.

3. Was wird die Zukunft der Bildung bestimmen? (Inhalte?, Medien?, Marketing?, Kapital?, Politik?, Gesellschaft? Jeder Einzelne selbst? …)
Bildung hat einen besonderen Wert für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes. Und Bildung kostet. Bei aller Begeisterung für die neuen digitalen medialen Möglichkeiten des Lernens lässt sich Bildung nur begrenzt automatisieren bzw. über Medien abbilden. Hochwertige Bildung erfordert den persönlichen und direkten Kontakt zwischen Menschen. Dazu gehören sowohl Mitlernende als auch menschliche Lehrer. Letztere ermöglichen eine individuelle Förderung und Forderung, sind Vorbild und gewährleisten Interaktion auf hohem Niveau. Dozenten müssen als Mentoren motivieren und auch einmal irritieren oder provozieren, um so eine stimulierende Lernumgebung zu schaffen.

4. Was müssen wir Menschen in einer überinformierten Welt wirklich wissen?
Wir müssen wissen, wie man mit dem Informationsangebot umgeht: Wo man relevante und zuverlässige Informationen findet. Wie man sie kritisch bewertet. Wie man sie filtert. Wie man Wissen für bestimmte Zwecke aufbereitet und verdichtet. Wie man das Wissen nutzbringend in der Praxis anwenden kann. Aber auch, wie man seinen eigenen Ideen und Anliegen in geeigneter Weise Gehör verschafft und für seine Ideen wirbt. Der Schlüssel zum Erfolg sind dabei am Ende immer die Menschen und nicht die Informationen.

5. Was wäre eine ideale Bildung?
Eine ideale Bildung macht neugierig auf das Lernen. Sie unterstützt auf einer Meta-Ebene den Lernprozess selbst – also das „Lernen lernen“. Die ideale Bildung ist nicht für jeden gleich, sondern kontext- und persönlichkeitsabhängig. Sie umfasst jedoch in jedem Falle eine breite, generalistische Ausbildung, in der auch Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Disziplinen geknüpft werden. Sie versetzt auch in die Lage, eigenes Wissen zu teilen und es so in der Interaktion mit anderen zu mehren und selbst zu lernen.

6. Was tun Sie für die Zukunft der Bildung?
An der Munich Business School setzen wir uns aktiv und kritisch mit der Bildung und Weiterbildung im betriebswirtschaftlichen Bereich auseinander. In einer Welt, die häufig auf immer spezialisierteres Wissen setzt, versuchen wir den Blick für das Ganze zu schärfen und eine interdisziplinäre Herangehensweise zu fördern. Ein stetiger Wechsel zwischen Hochschule und Unternehmenspraxis, zwischen eigenem Umfeld und anderen sozialen Situationen, zwischen Inland und Ausland, zwischen wirtschaftlichem Denken und gesellschaftlicher Verantwortung schafft ein Spannungsfeld und einen permanenten Perspektivwechsel, der zum Lernen und zur Reflektion anregt. Die Diversität unserer Studierendenschaft aus mehr als 60 Nationen eröffnet jedem Einzelnen zudem neue Blickwinkel auf die unterschiedlichsten Themen. Unser Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Wissen geschaffen und geteilt wird, um unternehmerische und gesellschaftliche Verantwortung im heutigen globalen Kontext wahrzunehmen.

Prof. Dr. Stefan Baldi, 
Dekan der Munich Business School