Zur Zukunft der Finanzberatung befragten wir

Karl Matthäus Schmidt, 
Vorstandsvorsitzender der quirin bank AG

Quo vadis Finanzberatung?

 

 

 

 

© Bild: Rick Reimers – photocase.com

1. Was zeichnet eine gute Finanzberatung aus?
Gute Finanzberatung zeichnet sich durch Unabhängigkeit aus. Leider ist vielen Anlegern nicht klar, welche Nachteile das in Deutschland vorherrschende Provisionssystem hat. Dabei fließt für jedes vom Berater verkaufte Produkt eine Gebühr vom Produktgeber an den Berater. Für die sogenannten Berater gibt es also einen klaren Anreiz, dem Anleger ein Produkt mit möglichst hoher Provision zu verkaufen – ganz gleich, ob es sich für den Anleger eignet oder nicht. Aus unserer Sicht sollte die Beratungsleistung honoriert werden und sonst gar nichts. Dafür gibt es die Honorarberatung, bei der unabhängig und ausschließlich auf die spezifischen Bedürfnisse des Kunden ausgerichtet, beraten wird. Ein entscheidendes Merkmal der Honorarberatung ist, dass sämtliche Provisionen an den Anleger ausgekehrt werden. Der Anleger zahlt den Honorarberater direkt für seine Leistung, wie einen Steuerberater, einen Anwalt oder einen Arzt. Üblicherweise in Form eines prozentualen Anteils vom anzulegenden Vermögen. Der häufig gebrauchte Begriff „Finanzberatung“ suggeriert fälschlicherweise eine Unabhängigkeit von Interessen – dies entspricht leider nicht der Realität. De facto sind provisionsorientierte Berater nichts anderes als Produktverkäufer. Der Gesetzgeber hat das inzwischen erkannt und will die unabhängige Honorarberatung als verbraucherfreundliche Alternative zum Provisionsvertrieb fördern.

2. Welche Faktoren werden die Zukunft der Finanzberatung/des Finanzberaters prägen (Stichworte: steigende Qualitätsanforderungen, Neue Medien, demografischer Wandel, etc…)? Und was werden die Konsequenzen für die Zukunft der Finanzberatung/des Finanzberaters daraus sein?
Die Zukunft der Finanzberatung wird vor allem durch steigende Transparenz geprägt sein. Damit sind gesetzliche Anforderungen an die Transparenz von Kosten und Risiken bei Finanzprodukten gemeint. Gemeint ist aber auch der ungehinderte Zugang zu Informationen, vor allem über das Internet. Ein interessierter Verbraucher kann inzwischen Finanzdienstleistungen, Produkte und auch Finanzberater selbst, beispielsweise über Bewertungsportale im Internet, vergleichen. Wer hier durch gute Leistung auffällt, wird sich über Kundenzuwachs freuen können. Die vielen Skandale, die durch Falschberatung verursacht werden, sorgen zudem für ein erhöhtes Aufklärungs- und Qualitätsbedürfnis seitens der Anleger, die der Branche prinzipiell misstrauisch gegenüberstehen. Sie festigen gleichzeitig den politischen Willen, die Qualität der Finanzberatung zu erhöhen. Ein unaufhaltsamer Trend, durch den sich die Beratungsleistung kontinuierlich verbessern wird. Künftig wird derjenige Berater erfolgreich sein, der die Kundenbedürfnisse am besten versteht und optimal darauf reagiert. Zudem wird sich das Angebot von Finanzdienstleistungen in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung massiv verändern – und damit auch die Finanzberatung selbst. Banken und Finanzdienstleiter müssen beweisen, dass sie die Bedürfnisse der Anleger ernst nehmen und einen echten Mehrwert in der Beratung liefern. Hier entsteht durch die wachsende Zahl an FinTechs eine deutlich spürbare Konkurrenz im Netz. Anleger, die eigenverantwortlich über ihre Geldanlage entscheiden möchten und zudem sehr kostenbewusst sind, werden sich zunehmend online-basierten Lösungen zuwenden.

3. Was tun Sie (bzw. Ihr Verband) für die Zukunft der Finanzberatung/des Finanzberaters?
Der Berufsverband deutscher Honorarberater (BVDH) setzt sich mit Nachdruck dafür ein, die unabhängige Beratung gegen Honorar voranzutreiben und die Qualität in der Finanzberatung in Deutschland zu verbessern. Wer Mitglied im Verband werden will, muss sich einem Kodex verpflichten, der definiert, dass Honorarberater alle Provisionen Eins zu Eins an den Kunden zurückvergüten. Gleichzeitig hilft der Berufsverband seinen Mitgliedern dabei, sich als unabhängige Honorarberater zu etablieren.
Auf politischer Ebene will der Verband die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine unabhängige Beratung weiter vorantreiben. Mit dem Honoraranlageberatungsgesetz, das im August 2014 verabschiedet wurde, ist ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung vollzogen worden. So wurde erstmals das Berufsbild des unabhängigen Honoraranlage-Beraters definiert. Aus Sicht des Verbandes führt an einem generellen Provisionsverbot für die Finanzbranche, das in anderen europäischen Ländern, wie etwa Großbritannien oder den Niederlanden bereits umgesetzt wurde, kein Weg vorbei.

Karl Matthäus Schmidt,
Vorstandsvorsitzender der quirin bank AG

[ultimate_modal modal_on=“text“ modal_on_align=“left“ read_text=“> Mehr Informationen“ txt_color=“#000000″ modal_size=“medium“ overlay_bg_opacity=“80″]Karl Matthäus Schmidt,
Vorstandsvorsitzender der quirin bank AG

Karl Matthäus Schmidt ist Vorsitzender des Vorstands der quirin bank AG. Die erste Honorarberaterbank Deutschlands bietet vermögenden Anlegern eine faire, transparente und unabhängige Vermögensberatung auf Honorarbasis an. So werden sämtliche Ausgabeaufschläge, Vertriebs- und Bestandsprovisionen an den Kunden rückvergütet. Vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz wird das Modell der Honorarberatung als zukunftsweisend bezeichnet.
Schmidt ist in der Finanzbranche kein Unbekannter mehr, seit er 1994 mit 25 Jahren Deutschlands jüngster Vorstandsvorsitzender wurde. Im selben Jahr stieg sein Discount-Broker-Haus Consors zum Marktführer im Online-Brokerage auf und Schmidt wurde von der „Wirtschaftswoche“ zum Unternehmer des Jahres gekürt. 2001 übernahm die BNP Paribas Group Consors – heute Cortal Consors – für rund eine halbe Milliarde Euro. Im Sommer 2005 wurde Schmidt zum Sprecher des Vorstands der Berliner CCB Bank AG berufen, eines Zusammenschlusses der ehemaligen Consors Capital Bank und der Setis Bank. Dort lenkte er den Verschmelzungsprozess der beiden Banken und entwickelte innovative Konzepte für das Privatkundengeschäft des neu formierten Geldhauses, das seitdem unter dem Namen quirin bank AG aktiv ist. 2006 wurde Schmidt für sein verbraucherfreundliches Honorarberatungsmodell vom Economic Forum Deutschland mit dem National Leadership Award ausgezeichnet.
Seit 2010 ist Schmidt außerdem Vorsitzender des Berufsverbands deutscher Honorarberater e.V. (BVDH), der die Interessen von 1.500 unabhängigen Beratern bündelt und sich einem strengen Kodex für Honorarberater unterwirft.

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